In Gleichstromnetzen ist die Leistungsberechnung einfach: Spannung mal Stromstärke ergibt die Leistung. In Wechselstrom- (AC) und Drehstromnetzen ist die Physik jedoch komplexer. Hier treten durch Spulen (Induktivitäten wie in Elektromotoren) und Kondensatoren (Kapazitäten) Phasenverschiebungen zwischen Spannung und Strom auf.
Dadurch teilt sich die elektrische Leistung in drei verschiedene Komponenten auf: Wirkleistung, Blindleistung und Scheinleistung.
Ein in der Elektrotechnik weltbekannter und sehr treffender Vergleich ist das Glas Bier:
Das flüssige Bier ist die Wirkleistung (Das, was man tatsächlich nutzen möchte).
Die Schaumkrone ist die Blindleistung (Nimmt Platz im Glas weg, hat aber keinen direkten Nutzen).
Das gesamte Glas (Bier + Schaum) ist die Scheinleistung (Das Volumen, für das das Glas gebaut sein muss).
Die Wirkleistung ist die tatsächliche, nutzbare elektrische Leistung, die von einem Gerät in eine andere Energieform (z. B. mechanische Arbeit bei einem Motor, Wärme bei einer Heizung oder Licht) umgewandelt wird.
Einheit: Watt (W) oder Kilowatt (kW).
Die Blindleistung leistet keine nutzbare Arbeit. Sie wird benötigt, um in induktiven Verbrauchern (wie Transformatoren oder Elektromotoren) magnetische Felder auf- und wieder abzubauen. Diese Energie pendelt ungenutzt im Takt der Netzfrequenz (50 Hz) zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher hin und her.
Einheit: Voltampere reaktiv (var) oder Kilovar (kvar).
Die Scheinleistung ist die gesamte Leistung, die vom Stromnetz bereitgestellt und übertragen werden muss. Sie setzt sich geometrisch (als Vektoraddition) aus der Wirkleistung und der Blindleistung zusammen: $S = \sqrt{P^2 + Q^2}$.
Einheit: Voltampere (VA) oder Kilovoltampere (kVA).
Ein klassischer und extrem gefährlicher Praxisfehler in der Anlagenplanung ist es, Leitungen nur auf Basis der Wirkleistung (kW) zu berechnen.
Da die Blindleistung als realer Strom im Kabel hin- und herpendelt, erwärmt sie den elektrischen Leiter genauso wie der Wirkstrom. Das Stromnetz, die Transformatoren und vor allem die Kabel und Leitungen müssen immer zwingend auf die gesamte Scheinleistung (kVA) ausgelegt werden.
Wird ein zu kleiner [Leiterquerschnitt](Link zur Seite Leiterquerschnitt setzen) gewählt, weil die Blindleistung ignoriert wurde, kommt es zu einer gefährlichen Überlastung der Leitung. Die Folge: massiver Spannungsabfall, schmelzende Isolierungen und im schlimmsten Fall Kabelbrand.
| Leistungsart | Einheit |
Bedeutung für die Praxis
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| Wirkleistung (P) | W / kW |
Gibt an, wie viel mechanische/thermische Arbeit das Gerät verrichtet. (Basis für die Stromrechnung).
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| Blindleistung (Q) | var / kvar |
Pendelt im Netz, blockiert Netzkapazitäten, leistet keine Arbeit.
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| Scheinleistung (S) | VA / kVA |
Entscheidend für die Kabelauslegung! Die Gesamtbelastung, die physikalisch durch die Leitung fließt.
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Auch im Bereich der erneuerbaren Energien spielen diese Begriffe eine zentrale Rolle. Moderne [Wechselrichter](Link zur Seite Wechselrichter setzen) in gewerblichen [PV-Anlagen](Link zur Seite PV-Anlage setzen) müssen nicht nur die erzeugte Wirkleistung der Solarmodule (als Gleichstrom) in Wechselstrom umwandeln. Netzbetreiber fordern heute oft, dass große Wechselrichter gezielt Blindleistung ins Netz einspeisen oder aufnehmen können, um die Spannung im öffentlichen Stromnetz stabil zu halten (Blindleistungskompensation).
Egal, wie viel Blindleistung durch Ihr System pendelt – Ihre Verkabelung muss der Gesamtbelastung dauerhaft und sicher standhalten. KBE Elektrotechnik fertigt hochwertige Kupferlitzen mit normgerechten Querschnitten für die Industrie, die Automobilbranche und die Photovoltaik. Unsere extrem maßhaltigen und robusten Leitungen garantieren, dass Ihre Anlagenkomponenten auch bei hohen Scheinleistungen sicher und verlustarm mit Energie versorgt werden.
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