Die Strombelastbarkeit (in der Fachsprache auch als Stromtragfähigkeit bezeichnet) ist der maximale elektrische Strom in Ampere (A), den ein Leiter – wie ein Kabel, eine Leitung oder eine Stromschiene – unter definierten Bedingungen dauerhaft führen kann. Die absolute Grenze ist dabei erreicht, wenn die durch den Stromfluss entstehende Wärme (Verlustleistung) die maximal zulässige Betriebstemperatur des Leiters und seiner Isolierhülle erreicht. Die Strombelastbarkeit gibt also an, wie viel Strom ein Kabel sicher übertragen kann, bevor das Isolationsmaterial thermisch altert, schmilzt oder im schlimmsten Fall ein Brandrisiko entsteht.
Jeder elektrische Leiter besitzt einen bestimmten elektrischen Widerstand. Fließt Strom durch diesen Leiter, entsteht unweigerlich Verlustwärme. Die Hauptaufgabe bei der Leitungsdimensionierung ist es, sicherzustellen, dass diese Wärme schnell genug an die Umgebung abgegeben werden kann.
Ein häufiger Irrtum in der Praxis ist die Annahme, dass ein bestimmter Leiterquerschnitt (z. B. 4 mm²) immer exakt die gleiche Menge an Strom führen darf. Die tatsächliche Strombelastbarkeit ist jedoch ein variabler Wert, der maßgeblich von folgenden Faktoren abhängt:
Leiterquerschnitt und Material: Je größer der Querschnitt, desto geringer der Widerstand und desto mehr Strom kann fließen. Kupfer bietet dabei eine deutlich höhere Leitfähigkeit als Aluminium.
Umgebungstemperatur (Derating): Je wärmer die Umgebung, desto schlechter kann das Kabel seine Eigenwärme abführen. Ab einer bestimmten Umgebungstemperatur muss die zulässige Strombelastung reduziert werden (sogenanntes Derating).
Verlegeart: Ein Kabel, das frei in der Luft verlegt ist, wird durch die Luftzirkulation optimal gekühlt. Wird dasselbe Kabel jedoch in einem geschlossenen Installationsrohr oder direkt in wärmedämmenden Wänden verlegt, sinkt seine Belastbarkeit drastisch.
Häufung: Liegen viele Kabel dicht gebündelt in einem Kabelkanal, heizen sie sich gegenseitig auf. Auch hier muss die Strombelastbarkeit durch entsprechende Umrechnungsfaktoren nach unten korrigiert werden.
Um die Strombelastbarkeit in der Praxis sicher zu berechnen, müssen Planer und Ingenieure standardisierte Tabellen und Reduktionsfaktoren anwenden. Für allgemeine Kabel und Leitungen in Deutschland ist hierbei primär die DIN VDE 0298-4 maßgeblich. In den Kernbereichen von KBE Elektrotechnik greifen jedoch oft spezifischere Normen: Bei Solarkabeln gelten die Vorgaben der EN 50618, während bei Fahrzeugleitungen (Automotive) internationale Standards wie die ISO 6722 die Stromtragfähigkeit bei den extremen Temperaturen im Motorraum definieren.
Da die manuelle Berechnung unter Berücksichtigung aller Derating-Faktoren und Verlegearten sehr komplex sein kann, bieten wir Planern, Ingenieuren und Installateuren ein kostenloses Online-Tool an. Mit unserem Rechner können Sie schnell, sicher und normgerecht den benötigten Leitungsquerschnitt sowie die maximale Strombelastbarkeit für Ihr spezifisches Projekt kalkulieren.
Hier geht es direkt zum KBE-Rechner für Querschnitt & Strombelastbarkeit
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