
Alle elektrischen Anlagen benötigen einen Schutz vor Überspannungen, Stromschlägen und möglichen elektrischen Schäden. Gleiches gilt für Solaranlagen.
Im Zusammenhang mit der Installation fallen daher häufig Begriffe wie Potentialausgleich, Schutzpotentialausgleich oder Erdung – sowohl beim Neubau als auch beim Nachrüsten einer PV-Anlage.
Wir klären nachfolgend die wichtigsten Begriffe und gehen darauf ein, warum ein Schutzpotentialausgleich bei Solaranlagen notwendig ist.
Hier ist eine klare Begriffsklärung notwendig, denn der Schutzpotentialausgleich ist eine spezielle Form des Potentialausgleichs.
Der Potentialausgleich umfasst die Verbindung aller leitfähigen Teile der Anlage, um Spannungsdifferenzen auszugleichen, und unterteilt sich unter anderem in:
Die Erdung hingegen bedeutet, dass es eine Verbindung von der Anlage (gesamt oder Teile davon) zur Erde gibt, damit die elektrischen Ströme bei Überspannungen oder Blitzeinschlägen in die Erde abgeleitet werden können.
Auch hier unterscheidet man zwischen Schutzerdung und Funktionserdung. Während die Schutzerdung dem Schutz von Personen durch Stromschläge dient, dient die Funktionserdung betrieblichen Gründen.
In der Praxis fallen die Begriffe Potentialausgleich und Erdung oft als Synonym. Genaugenommen handelt es sich beim Potentialausgleich jedoch um eine Verbindung zwischen den einzelnen Teilen einer Anlage.
Die Erdung hingegen dient der Ableitung elektrischer Ströme in die Erde. In der Regel wird ein Schutzpotentialausgleich sowie eine Erdung jedoch kombiniert, um Spannungsunterschiede auszugleichen sowie Berührungsspannungen zu vermeiden.

Photovoltaik-Anlagen (PV) befinden sich oft auf Dächern, wo sie dem Wetter ausgeliefert sind und ein mögliches Ziel für Blitzeinschläge darstellen können. Ein Schutzpotentialausgleich sowie eine Schutzerdung der PV birgt daher folgende Vorteile:
Zudem ist die Sicherheit einer Anlage nicht nur eine Frage der Vorteile. Sie sind gemäß gesetzlicher Vorgaben und Normen dazu verpflichtet.
Die DIN VDE 0100 gilt als Grundlage für die Planung und Errichtung von sicheren elektrischen Anlagen. Darüber hinaus gelten folgende Normen, die Sie bei Solaranlagen beachten müssen:
| Norm | Beschreibung |
|---|---|
| DIN VDE 0100-410 (Schutz gegen elektrischen Schlag) | Die Norm beschreibt die Anforderungen zum Schutz gegen elektrischen Schlag in Niederspannungsanlagen. Sie legt Maßnahmen zum Basis- sowie zum Fehlerschutz fest, um Menschen und Nutztiere vor einem elektrischen Schlag zu schützen. Dazu zählen:Bei der automatischen Abschaltung der Stromversorgung ist mindestens die Schutzart IPXXB oder IP2X einzuhalten.Verstärkte oder doppelte Isolierung der Leiter.Schutzerdungsleiter müssen den Vorgaben der DIN VDE 0100-540 entsprechen.Der Schutzpotentialausgleich sorgt durch die Verbindung aller leitfähigen Teile mit der Haupterdungsschiene dafür, gefährliche Spannungsdifferenzen zu vermeiden. |
| DIN VDE 0100-540 (Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter) | Die Norm regelt, wie Sie Erdung und Potentialausgleich sicher gestalten. Damit können Sie Gefahren vermeiden, die Gerätefunktion sichern und Störungen durch elektromagnetische Einflüsse reduzieren. Insbesondere findet diese Norm für IT- und Kommunikationsanlagen Anwendung, zu denen moderne Solaranlagen mittlerweile zählen. Unter anderem regelt diese Norm folgende Aspekte: Anforderungen an die Verbindung von leitfähigen Teilen mit der Erde, um gefährliche Spannungen abzuleiten.Sie müssen korrosionsbeständige Materialien für die Schutzleiter bei der Erdung der Photovoltaik-Anlage verwenden, etwa Kupfer, Aluminium oder Stahl.Der Querschnitt bei Schutzpotentialausgleich darf bei Kupfer 6 mm², bei Aluminium 16 mm² und bei Stahl 50 mm² nicht unterschreiten.Sie müssen Schutzleiter in gesamter Länge grün-gelb kennzeichnen. Welche Regelungen konkret gelten und welche Leitungsarten die Vorgaben erfüllen, hängt jedoch auch von der Anlage selbst ab. Beachten Sie daher auch die Herstellerangaben und die geforderten Querschnitte. |
| DIN VDE 0100-712 (Photovoltaik-Stromversorgungssysteme) | Diese Norm gibt Maßnahmen vor, welche gezielt die Sicherheit von PV-Anlagen erhöhen. Neben der Kennzeichnungspflicht sowie den Vorgaben zur Verlegung stehen die Schutzmaßnahmen im Fokus. Dazu zählen unter anderem:Der Schutzpotentialausgleich bei Solaranlagen ist wichtig für den Schutz vor Stromschlägen.Sie müssen eine Überhitzung oder die Lichtbogenbildung verhindern, um einen Brand zu vermeiden. Dafür sorgen die passende Kabelstärke, Stromwerte und feuerfeste Materialien.Ein Überspannungsschutz ist für Solaranlagen verpflichtend.Alle verbauten Komponenten müssen den geltenden Normen entsprechen. Auch eine sorgfältige und lückenlose Dokumentation ist verpflichtend.Dokumentieren Sie die verbauten Bauteile, Messwerte, Schutzleistungen, Eigenschaften und Verlegearbeiten sorgfältig, um diese später bei einer Prüfung nachweisen zu können. Sogar bei der Wartung der Anlagen sind diese Angaben nützlich. |
| DIN VDE 0185-305 (Blitzschutz) | Die Regelungen dieser Norm beziehen sich auf den Blitzschutz für Personen und bauliche Anlagen. Bei Solaranlagen bedeutet dieses, einen ausreichenden inneren oder äußeren Blitzschutz nachzuweisen. Neben dem Erfüllen einiger Regelungen müssen Sie auch eine Risikoanalyse für einen Blitzeinschlag durchführen und Schutzmaßnahmen bestimmen. |
Weitere Normen, auf die Sie einen Blick werfen sollten:
Für einen Schutzpotentialausgleich bei Solaranlagen müssen Sie alle relevanten Komponenten einbeziehen und normgerechte Kabel verwenden. Zudem gibt es unterschiedliche Arten, diese anzuschließen, um den Schutzpotentialausgleich aufzubauen.

Für einen korrekten Schutzpotentialausgleich bei der Solaranlage müssen Sie sämtliche metallischen Teile einbeziehen, die mit der Verkabelung in Verbindung kommen.
Dazu zählen auch:
Gibt es weitere leitfähige Teile, die mit den Komponenten in Berührung kommen, etwa eine Wasser- oder Rohrleitung, die ins Haus führt? Dann müssen Sie auch diese bei der Schutzerdung der PV einbeziehen.
Gemäß den Normen müssen Sie auf korrosionsbeständige Materialien setzen. Dafür kommen beispielsweise Kupfer oder Aluminium infrage.
Kupfer eignet sich besonders gut, da es widerstandsfähiger ist und eine höhere Leitfähigkeit besitzt. Dadurch können Sie einen niedrigeren Querschnitt für den Schutzpotentialausgleich wählen als bei Aluminium. Während der Mindestquerschnitt bei Kupfer 6 mm² beträgt, liegt dieser bei Aluminium bei 16 mm².
Bei einem Blitzschutzsystem erhöht sich der Querschnitt und Sie benötigen 16 mm² bei Kupfer bzw. 25 mm² bei Aluminium. Aluminium hat hingegen den Vorteil, dass es leichter und kostengünstiger ist. Es ist jedoch weniger flexibel und leitfähiger als Kupfer. Die Isolierung sollte zudem dick genug sein. Auch eine UV-Beständigkeit der Kabel ist bei Solaranlagen von Vorteil.
Sollten Sie lieber zu einem festen Leiter oder einer Litze greifen?
Zwar ist ein fester Leiter stabiler und besitzt oft eine höhere Korrosionsbeständigkeit, dennoch bergen Litzen einige Vorteile. Durch ihre höhere Flexibilität sinkt beispielsweise die Bruchgefahr und sie können diese dadurch einfacher verlegen.
Geht es um die Anschlussart, können Sie je nach Anlage und Bedingungen zwischen folgenden Optionen wählen:
Achtung: Kabelverbindungen für einen Schutzpotentialausgleich können Sie bei einer Solaranlage nicht löten. Denn dies kann bei den hohen Spannungen und Strömen zu Kurzschlüssen und Bränden führen.

Um einen Schutzpotentialausgleich herzustellen, können Sie in folgenden Schritten vorgehen:
Der Blitzschutz und der Schutzpotentialausgleich arbeiten bei der Solaranlage Hand in Hand. So können Sie den äußeren sowie inneren Blitzschutz unterscheiden.
Der äußere Schutz fängt den Blitz ein und leitet ihn zur Erdungsanlage. Der Schutzpotentialausgleich ist hingegen Teil des inneren Blitzschutzes – es vermeidet Spannungsunterschiede bei einem Blitzeinschlag. Anders gesagt: Das Blitzschutzsystem leitet den Blitz ab, während der Schutzpotentialausgleich die Auswirkung auf die Anlage und das Gebäude senkt.
Auch der Überspannungsschutz ist Teil des inneren Blitzschutzes. Er ist wichtig, um elektrische und elektronische Geräte vor Schäden durch Blitzeinschläge oder andere Spannungsanstiege zu schützen. Hiervon gibt es unterschiedliche Gerätetypen, die Sie für einen Überspannungsschutz bei Solaranlagen anbringen können.
| Gerätetyp | Einsatzbereich | Einbau |
|---|---|---|
| Typ 1 | Ableitung von Blitzströmen an die Erde | Diesen Überspannungsschutz bauen Sie in der Regel an der Hauptverteilung an. Also meistens im Zählerschrank oder gleich hinter dem Hauptschalter. Hier kommt oft eine 3+1-Schaltung zum Einsatz. Dabei verbinden Sie die Außenleiter (L1, L2, L3) mit dem Neutralleiter (N), der wiederum über eine Summenfunkenstrecke an den Schutzleiter (PE) gekoppelt ist. |
| Typ 2 | Schutz vor Überspannungen (z. B. Schaltvorgänge, Blitzeinschlag im Stromnetz) | Installation nah am Zähler, in der Haupt- oder Unterverteilung (häufig direkt nach Stromzähler). Bei Leitungswegen von mehr als 10 Metern sollten Sie zusätzliche Typ-2-Ableiter in den Unterverteilungen installieren. |
| Typ 3 | Schützt Geräte vor Überspannungen und Restüberspannungen | Diesen Typ müssen Sie direkt vor dem Gerät anbringen, dass Sie schützen möchten – z. B. an der Steckdose. Der Abstand zum Gerät sollte gering sein und mindestens 10 Meter vom Netz- oder Trennschalter entfernt sein. |
Die Schutzerdung der PV-Anlage ist auch davon abhängig, ob es sich um eine netzgekoppelte Anlage oder eine Inselanlage handelt.
Netzgekoppelte Solaranlagen benötigen einen umfassenden Blitzschutz, da sie mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden sind. Hierzu gehört die Einbindung aller leitfähigen Teile in den zentralen Potentialausgleich, aber auch eine sorgfältige Erdung sowie Überspannungsschutzgeräte auf der DC- und AC-Seite zum Schutz vor Netzüberspannungen. Sie erfordern zudem einen Schutz gegen Netzrückwirkungen.
Inselanlagen hingegen arbeiten unabhängig vom Netz und verwenden meist einen eigenen Erdungspunkt. Der Fokus beim Blitzschutz? Der Schutz empfindlicher Komponenten. Kombinieren Sie Geräte unterschiedlicher Klasse, etwa Typ 1 an der Hauptverteilung, Typ 2 am Unterverteiler und Typ 3 direkt am Gerät.
Abschließend haben wir noch einige praktische Tipps für Installateure, die einen Schutzpotentialausgleich bei einer Solaranlage planen und umsetzen:
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